Aktiver Tierschutz durch regelmäßige Hufpflege

 

In meiner Arbeit als Hufschmied fallen mir immer wieder Pferde und Ponies auf, die unnatür-lich lange Zehen haben (Abb. 1).

Bei wild lebenden Pferden, die auf verschiedensten Untergründen laufen, brechen diese zu langen Teile der Hornwand einfach aus. Die Hufform reguliert sich somit in gewissem Grade von selbst. Unsere domestizierten Tiere haben nur bedingt diese Möglichkeit. So kann es, insbesondere bei Weidepferden, dazu kommen, daß sich die Hufe im Zehenbereich extrem auswachsen (Abb. 1 und 2).

Als Ursachen kommen nicht nur zu geringe natürliche Abnutzung oder unregelmäßige Ab-nutzung durch Fehlstellungen und Krankheiten wie Hufrehe in Frage, sondern auch überzo-gene Beschlags- bzw. Hufpflegeintervalle, falsche Hufkorrektur und – in einigen Fällen ver-schlimmernd – auch Hufeisen mit einem einzelnen Zehenaufzug.

Diese Verformung der Hornkapsel ist nicht allein ein Schönheitsfehler: Zum einen erschwert eine verlängerte Zehe – wie ein Hebel, den das Pferd bewegen muß – das Abfußen. Dies wie-derum führt zu einer deutlich stärkeren Belastung des Sehnen- und Gelenkapparats, vor allem der tiefen Beugesehne.

Simulieren Sie doch einmal das Abfußen des Pferdes mit einem Test: Drücken Sie die Finger auf eine Tischplatte und ziehen Sie dann den Handrücken langsam nach vorne-oben. Je län-ger die Finger, desto stärker die Wirkung.

Diese Belastung kann durchaus auch die Belastbarkeit ihres Pferdes herabsetzen und z.B. auch ein häufigeres Abtreten der Vorderhufeisen zur Folge haben, da das Abfußen der Vor-derhufe verzögert wird.

Bei Pferden, die an Hufrehe erkranken, kommt es häufig zu einer Zusammenhangstrennung zwischen der äußeren Hornkapsel und dem innen liegenden "lebenden" Teil des Hufs. Dieser Effekt wird durch lange Hufzehen verstärkt. Der Zug der tiefen Beugesehne wird intensiviert und die durch die Erkrankung geschädigte Verbindung im Bereich der weißen Linie wird entsprechend stärker belastet. Dies leistet einer Hufbeinrotation weiteren Vorschub.

Um all diesen negativen Effekten aus dem Weg zu gehen, sollte man allerdings nicht "auf Teufel komm raus" die Hufzehen kürzen und das Pferd steiler stellen, als es die Natur indivi-duell vorgibt. Bei der Hufkorrektur sollte man vielmehr darauf achten, daß das Pferd zum Fesselstand paßt:
Dazu betrachtet man eine (gedachte) Linie, die vom Fessel-, über das Krongelenk zum Huf-gelenk führt und möglichst parallel zum vorderen Rand der Hornkapsel des Hufs verlaufen sollte (Abb. 3). Ist die Verformung des Hufs (evtl. auch durch Trachtenzwang weiter Hufe verschlimmert) schon weiter fortgeschritten, muß die Anpassung an die korrekte Hufform in Etappen erfolgen.

Der Hufschmied hilft durch eine regelmäßige Korrektur des Hufs, korrektes Strecken der Hufwände und im Bedarfsfall auch durch einen entsprechenden Hufbeschlag, die Hufe des Pferdes wieder einer gesundheitlich optimalen Form näher zu bringen (Abb. 4). Dies erfor-dert nicht nur vom Schmied entsprechende Fachkenntnis. Sich mit den Pferdefüßen rechtzei-tig zu befassen und nicht erst an Hufpflege zu denken, wenn das Thema schon "ausufert," ist immer auch Aufgabe des Pferdebesitzers.

Sollten Sie dazu noch Fragen haben, helfe ich Ihnen gern.

 

Uta Steinbeck

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